Ohne Titel 2
Bundesgerichtshof Entscheidungen

Deckelung der Mängelbeseitigungskosten auf doppelten Wertminderungsbetrag


Der V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat im April 2014 folgende Entscheidung verkündet:

a)  Stellen sich die zur Mngelbeseitigung erforderlichen Kosten als unverhltnismßig dar, so kann der Kufer von dem Verkufer nur Ersatz des mangelbedingten Minderwerts der Sache verlangen.
b)  Ob die Kosten unverh
ltnismßig sind, ist aufgrund einer umfassenden Wrdigung der Umstnde des Einzelfalls unter Bercksichtigung der in § 439 Abs. 3 BGB genannten Kriterien festzustellen.
c)  Bei Grundst
ckskaufvertrgen kann als erster Anhaltspunkt davon ausgegangen werden, dass die Kosten der Mngelbeseitigung unverhltnismßig sind, wenn sie entweder den Verkehrswert des Grundstcks in mangelfreiem Zustand oder 200% des mangelbedingten Minderwerts bersteigen.
d)  F
r die Beurteilung der Unverhltnismßigkeit der Kosten kommt es auf den Beginn der Mngelbeseitigung durch den Kufer an. Stellt sich whrend deren Ausfhrung heraus, dass die Kosten hher als erwartet sind, steht dies einer Ersatzpflicht nur entgegen, wenn ein wirtschaftlich denkender Kufer die Arbeiten auch unter Bercksichtigung der bereits angefallenen Kosten nicht fortfhren wrde bzw. fortgefhrt htte.
BGH, Urteil vom 4. April 2014 - V ZR 275/12 - KG

Tatbestand:
Mit notariellem Vertrag vom 29. Mrz 2004 kauften die Klgerin und Dr. V. von den Beklagten ein mit einem Mietshaus bebautes Grundstck zu einem Preis von 260.000 €. In dem Kaufvertrag garantierten die Verkufer, dass der Dachstuhl des Vorderhauses und des Seitenflgels nicht von Holzbock befallen ist und die Beseitigung eines durch ein holzschutztechnisches Gutachten festgestellten Anobienbefalls einen Kostenaufwand von hchstens 2.500 € brutto erfordert. Im brigen wurde ein Ausschluss der Haftung fr Sachmngel vereinbart. Nach der bergabe des Grundstcks stellte sich heraus, dass der Dachbereich mit echtem Hausschwamm befallen war. Dr. V., an den die Klgerin ihre Ansprche abgetreten hatte, nahm die Beklagten auf Zahlung von Schadensersatz in Anspruch, woraufhin zunchst deren Schadensersatzpflicht dem Grunde nach festgestellt wurde. In dem Betragsverfahren wurden die Beklagten durch Teilurteil vom 28. Juni 2007 zur Zahlung von 89.129,86 € (85.231,67 € Sanierungskosten auf Gutachtenbasis fr Holzbauteile Dachgeschoss, Balkenanlagen und Dachverband; 3.898,19 € Sachverstndigenkosten) verurteilt. Ferner wurde festgestellt, dass die Beklagten verpflichtet sind, Dr. V. auch den weitergehenden Schaden zu ersetzen, der darauf zurckzufhren ist, dass das Haus mit echtem Hausschwamm befallen ist und deshalb Sanierungsarbeiten durchgefhrt werden mssen. Mit Schlussurteil vom 23. April 2009 wurden die Beklagten zur Zahlung weiterer 45.000 € als Ausgleich des nach der Schwammsanierung verbleibenden merkantilen Minderwerts verurteilt. Alle vorgenannten Urteile sind rechtskrftig. Dr. V. trat seine Ansprche an die Klgerin ab, die die Beklagten auf Zahlung von weitergehendem Schadensersatz in Anspruch nimmt. Im Rahmen der Schwammbeseitigungsmaßnahmen seien weitere Sanierungskosten in Hhe von 499.728,86 € angefallen bzw. noch zu erwarten (Sanierung von Wohnungen und Fassade, Mietausfall, Auslagerungs- und Sachverstndigen- kosten; Umsatzsteuer fr die zwischenzeitlich durchgefhrte Sanierung der Holzbauteile). Diese htten die Beklagten ebenso zu ersetzen wie vorgerichtliche Anwaltskosten in Hhe von 5.371,66 €.

Entscheidungsgrnde:
I.
Das Berufungsgericht f
hrt zur Begrndung aus, dass sich die Rechtskraft des Feststellungsurteils im Vorprozess auf die Klgerin als Rechtsnachfolgerin von Dr. V. erstrecke. Die von der Klgerin zur Kausalitt und zur Hhe der Sanierungskosten vorgetragenen Tatsachen htten die Beklagten zwar bestritten, das Bestreiten sei jedoch unerheblich, da angesichts der eingereichten Gutachten, Kostenschtzungen, Mietvertrge, Kostenangebote und Rechnungen ein einfaches Bestreiten nicht ausreiche. Es sei auch unerheblich, dass die von der Klgerin verlangten Sanierungskosten zum berwiegenden Teil wegen der erforderlichen Sanierung des Gebudes ohnehin anfallen wrden. Es handele sich um einen Fall der Doppelkausalitt, bei welchem ein Schaden durch zwei Ursachen hervorgerufen werde, welche beide im Rechtssinne kausal seien. Auch ein Abzug „neu fr alt“ sei nicht vorzunehmen, da durch die Schwammsanierung keine Werterhhung eintrete. Schließlich sei die Ersatzpflicht der Beklagten nicht unter dem Gesichtspunkt der Zumutbarkeit beschrnkt. Der Zeitwert des bebauten Grundstcks mit Schwammbefall liege bei 507.202 €, ohne Schwammbefall bei mindestens 600.000 €. Die Beklagten seien bisher nur zu Schadensersatzzahlungen von insgesamt 639.230,38 € verurteilt worden. Dies liege ca. 6 % ber dem anzunehmenden Verkehrswert und sei hinzunehmen. Die von dem Bundesgerichtshof bezglich der Regulierung von Kfz-Schden entwickelte Begrenzung, wonach die Wiederherstellungskosten die der Ersatzbeschaffung um bis zu 30% bersteigen drfen, gelte auch hier.

II. Diese Ausf
hrungen halten der rechtlichen berprfung nicht stand.

1. Zutreffend ist allerdings, dass die Verpflichtung der Beklagten zur Zahlung von Schadensersatz nach § 437 Nr. 3, § 280 Abs. 1, § 281 Abs. 1 Satz 1 BGB
ber den bisher zugesprochenen Betrag hinaus wegen des rechtskrftigen Teilurteils vom 28. Juni 2007 feststeht. Danach haben sie den weiteren Schaden zu ersetzen, welcher darauf zurckzufhren ist, dass das Objekt mit echtem Hausschwamm befallen ist und deshalb Sanierungsarbeiten durchgefhrt werden mssen. Die Rechtskraft dieses Urteils, das Dr. V. gegen die Beklagten erstritten hat, wirkt gemß § 325 Abs. 1 ZPO auch zugunsten der Klgerin (vgl. BGH, Urteil vom 17. Februar 1983 - III ZR 184/81, NJW 1983, 2032).

2. Das Berufungsgericht behandelt jedoch rechtsfehlerhaft die von der Kl
gerin zur Schadenshhe vorgetragenen Tatsachen als unstreitig.
a) Dieser Gesichtspunkt unterliegt gem
ß § 557 Abs. 3 Satz 1 ZPO der Prfung des Senats, obwohl insoweit keine Revisionsrge erhoben worden ist. berspannt das Berufungsgericht die Anforderungen an ein wirksames Bestreiten und behandelt es deswegen einen Vortrag fehlerhaft als unstreitig, liegt ein materiell-rechtlicher Fehler vor, der von Amts wegen zu bercksichtigen ist (Stein/Jonas/Jacobs, ZPO, 22. Aufl., § 557 Rn. 30; Musielak/Ball, ZPO, 10. Aufl. § 557 Rn. 18; vgl. auch BGH, Urteil vom 10. Oktober 1994 - II ZR 95/93, NJW 1995, 130, 131).

b) Entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts waren die Beklagten nicht gehalten, den Vortrag der Kl
gerin zur Hhe des Schadens substantiiert zu bestreiten.

aa) Gem
ß § 138 Abs. 2 ZPO hat sich eine Partei allerdings grundstz- lich ber die von dem Gegner behaupteten Tatsachen zu erklren. Sie darf sich also, wenn der Gegner seiner Erklrungslast nachgekommen ist, nicht mit ei- nem bloßen Bestreiten begngen, sondern muss erlutern, von welchem Sach- verhalt sie ausgeht (vgl. Zller/Greger, ZPO, 30. Aufl., § 138 Rn. 8a). Der Umfang der erforderlichen Substantiierung richtet sich dabei nach dem Vortrag der darlegungsbelasteten Partei (BGH, Urteil vom 13. Januar 2011 - III ZR 146/10, NJW 2011, 1509 Rn. 20; Urteil vom 15. Juni 2000 - I ZR 55/98, NJW-RR 2000, 1635, 1638; Urteil vom 3. Februar 1999 - VIII ZR 14/98, NJW 1999, 1404 f. jeweils mwN). Je detaillierter dieser ist, desto hher ist die Erklrungslast gemß § 138 Abs. 2 ZPO. Ob ein einfaches Bestreiten als Erklrung gemß § 138 Abs. 2 ZPO ausreicht oder ob ein substantiiertes Bestreiten erforderlich ist, hngt somit von dem Vortrag der Gegenseite ab (Zller/Greger, ZPO, 30. Aufl., § 138 Rn. 8a).
Etwas anderes gilt hingegen dann, wenn eine Partei einen Vortrag mit Nichtwissen gem
ß § 138 Abs. 4 ZPO bestreiten kann. Nach dieser Vorschrift ist die Erklrung einer Partei mit Nichtwissen ber Tatsachen zulssig, die weder eigene Handlungen noch Gegenstand ihrer eigenen Wahrnehmung gewesen sind. Weitere Voraussetzung ist, dass die Partei fr die jeweiligen Tatsachen nicht darlegungs- und beweisbelastet ist (BGH, Urteil vom 2. Juli 2009 - III ZR 333/08, NJW-RR 2009, 1666 Rn. 14 mwN). Die Zulssigkeit einer solchen Erklrung schließt die Verpflichtung der Partei zu substantiiertem Bestreiten aus (BGH, Urteil vom 7. Juli 1988 - III ZR 111/87, NJW-RR 1989, 41, 43). Dies gilt unabhngig von der Substantiierung des gegnerischen Vortrags. Auch ein detaillierter Vortrag, der sich etwa auf ein Privatgutachten oder andere Unterlagen sttzt, kann - wenn die Voraussetzungen des § 138 Abs. 4 ZPO vor- liegen - mit bloßem Nichtwissen bestritten werden. Eine Pflicht, eigene Ermittlungen anzustellen, um im Einzelnen auf den gegnerischen Vortrag eingehen zu knnen, besteht nicht. Ebenso darf ein Vortrag, welcher plausibel und nahe- liegend erscheint, mit Nichtwissen bestritten werden, ohne dass die bestreitende Partei Anhaltspunkte dafr aufzeigen muss, dass der Vortrag falsch sein knnte (BGH, Urteil vom 8. Juli 2009 - VIII ZR 314/07, NJW 2009, 2894 Rn. 23; Urteil vom 14. Juli 2010 - VIII ZR 327/07, RdE 2010, 384 Rn. 20; anders nur bei einem rechtsmissbruchlichen Bestreiten „ins Blaue hinein“, vgl. BGH, Urteil vom 15. Juni 2000 - I ZR 55/98, NJW-RR 2000, 1635, 1638). Eine Grenze besteht nur insoweit, als fr das Gericht und den Gegner der Umfang des Bestreitens erkennbar sein muss (BGH, Urteil vom 11. Juli 1972 - VI ZR 21/71, VersR 1972, 945, 948; vgl. auch Senat, Urteil vom 18. Juli 2003 - V ZR 275/02, WM 2004, 193, 195 mwN).

bb) Nach diesen Grunds
tzen durften die Beklagten den klgerischen Vortrag zur Kausalitt und zur Hhe der Sanierungskosten gemß § 138 Abs. 4 ZPO mit Nichtwissen bestreiten. Der derzeitige Zustand des verußerten Mietshauses, die aufgrund des Schwammbefalls bereits durchgefhrten und noch erforderlichen Arbeiten sowie die behaupteten Mietausflle, Einlagerungskosten sowie Gutachter- und Architektenkosten unterliegen nicht der eigenen Wahrnehmung der Beklagten. Dies gilt auch fr die in den von der Klgerin vorgelegten Privatgutachten wiedergegebenen Tatsachen. Es besteht keine Verpflichtung der Beklagten, sich mit den Privatgutachten auseinanderzusetzen und deren Fehlerhaftigkeit aufzuzeigen (vgl. BGH, Urteil vom 8. Juli 2009 - VIII ZR 314/07, NJW 2009, 2894 Rn. 23; vom 14. Juli 2010 - VIII ZR 327/07, RdE 2010, 384 Rn. 20). Dass der Umfang ihres Bestreitens unklar geblieben wre, hat das Berufungsgericht gerade nicht festgestellt. Im Gegenteil ergibt sich aus dem Berufungsurteil, dass die Beklagten umfassend die Erforderlichkeit der von der Klgerin behaupteten Arbeiten aufgrund des Schwammbefalls ebenso bestritten haben wie die hierfr anzusetzenden Beseitigungskosten. Weiterhin haben sie auch die geltend gemachten Folgeschden in Abrede gestellt.

3. Rechtsfehlerhaft geht das Berufungsgericht zudem davon aus, dass eine ohnehin erforderliche Sanierung des erworbenen Grundst
cks fr den Umfang der Ersatzpflicht der Beklagten ohne Bedeutung ist.

a) Hinsichtlich der als Mangelfolgesch
den geltend gemachten Mietausflle und der Auslagerungskosten kann es insoweit schon an der Kausalitt der mangelhaften Leistung fr die entstandenen und noch entstehenden Kosten fehlen. Nach allgemeinen Grundstzen ist es Sache der Klgerin darzulegen und zu beweisen, dass diese Kosten durch den Schwammbefall bedingt sind und nicht – wie von den Beklagten behauptet – bereits im Rahmen der parallel erfolgenden Komplettsanierung des Gebudes anfallen. Entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts kommt hier eine Korrektur der sine-qua-non- Formel unter dem Gesichtspunkt der Doppelkausalitt nicht in Betracht.

aa) Eine Doppelkausalit
t wird angenommen, wenn zwei Umstnde einen Schaden verursachen und jeder fr sich allein ausgereicht htte, den ganzen Schaden zu verursachen. Dann sind beide Umstnde als urschlich zu behandeln (Senat, Urteil vom 7. Mai 2004 – V ZR 77/03, NJW 2004, 2526, 2528; BGH, Urteil vom 20. Februar 2013 – VIII ZR 339/11, NJW 2013, 2018 Rn. 27 mwN). Dafr ist nicht erforderlich, dass die Schdigung durch zwei verschiedene Personen erfolgt. Es gengt, wenn eine Person zwei Ursachen setzt, welche jede fr sich den vollen Schaden herbeigefhrt htte (Senat, Urteil vom 7. Mai 2004 – V ZR 77/03, NJW 2004, 2526, 2528; BGH, Urteil vom 20. Februar 2013 – VIII ZR 339/11, NJW 2013, 2018 Rn. 27). Auch steht der Annahme einer Doppelkausalitt nicht entgegen, dass sich der Geschdigte das Verhalten des einen Schdigers im Verhltnis zum anderen Schdiger als eigenes anrechnen lassen muss (BGH, Urteil vom 20. Februar 2013 – VIII ZR 339/11, NJW 2013, 2018 Rn. 26 f.). In all diesen Fllen besteht ein Bedrfnis fr eine wertungsmßige Korrektur der quivalenztheorie, um zu verhindern, dass von zwei schdigenden Ereignissen letztlich keines zu einer Haftung fhrt.
bb) Anders liegt es jedoch, bei dem Verh
ltnis einer von außen gesetzten mglichen Schadensursache und einer eigenen Handlung des Geschdigten. Hier geht es nicht darum, dass die Anwendung der quivalenztheorie auf zwei mgliche Schadensursachen zu einer sachwidrigen Verneinung jeglicher Haftung fhren wrde. Vielmehr muss in diesen Fllen unter Anwendung des im Ansatz subjektbezogenen Schadensbegriffs (vgl. Senat, Urteil vom 26. Sep- tember 1997 - V ZR 29/96, NJW 1998, 302, 304; BGH, Urteil vom 15. Oktober 1991 - VI ZR 314/90, BGHZ 115, 364, 369) festgestellt werden, inwieweit sich eine schdigende Handlung bei dem Geschdigten berhaupt nachteilig ausgewirkt hat. Einer wertenden Korrektur der quivalenztheorie bedarf es hier nicht.
cc) War die Komplettsanierung des gekauften Mietshauses ohnehin erforderlich und von den K
ufern geplant, beruhen die damit verbundenen Kosten nicht auf einem weiteren schdigenden Ereignis, welches neben die mangelhafte Leistung der Beklagten tritt. Indem die Klgerin die Schwammsanierungsarbeiten im Rahmen dieser Arbeiten ausfhren ließ und damit weitere Mietausflle sowie Ein- und Auslagerungskosten vermied, gengte sie lediglich ihrer Schadensminderungspflicht gemß § 254 Abs. 2 Satz 1 BGB.

b) Im
brigen bersieht das Berufungsgericht, dass die Ersatzpflicht der Beklagten entfallen kann, wenn die Klgerin durch diese eigene Aufwendungen ersparen wrde.
aa) Sofern die zur Behebung des Mangels erforderlichen Arbeiten von den K
ufern auch bei einer mangelfreien Leistung durchgefhrt worden wren, ist dies unter dem Gesichtspunkt der Vorteilsausgleichung zu bercksichtigen. Nach dem schadensrechtlichen Bereicherungsverbot soll der Geschdigte nicht besser gestellt werden, als er ohne das schdigende Ereignis stnde (BGH, Urteil vom 28. Juni 2007 - VII ZR 81/06, BGHZ 173, 83 Rn. 18 mwN; vgl. Senat, Urteil vom 25. Januar 2013 - V ZR 118/11, NJW-RR 2013, 825 Rn. 11). Im Kaufrecht fhrt dies dazu, dass der Kufer einer mangelhaften Sache grundstzlich nicht besser stehen darf, als er bei ordnungsgemßer Vertragserfllung stnde (Senat, Urteil vom 25. Januar 2013 - V ZR 118/11, NJW-RR 2013, 825 Rn. 13, 16). Schadensmindernd zu bercksichtigen sind jedoch nur solche Vorteile, deren Anrechnung mit dem jeweiligen Zweck des Ersatzanspruchs bereinstimmt, so dass sie dem Geschdigten zumutbar ist und den Schdiger nicht unbillig entlastet. Vor- und Nachteile mssen bei wertender Betrachtung gleichsam zu einer Rechnungseinheit verbunden sein (Senat, Urteil vom 17. Oktober 2003 - V ZR 84/02, NJW-RR 2004, 79, 80; BGH, Urteil vom 28. Juni 2007 - VII ZR 81/06, BGHZ 173, 83 Rn. 18 mwN). Diese Voraussetzungen liegen regelmßig vor, soweit der Geschdigte durch die Schadensbeseitigung eigene Aufwendungen erspart (Staudinger/Schiemann, BGB [2005], § 249 Rn. 168; Bamberger/Roth/Schubert, BGB, 3. Aufl., § 249 Rn. 137 mwN; Pa- landt/Grneberg, BGB, 73. Aufl., vor 249 Rn. 93; Lange/Schiemann, Schadens- ersatz, 3. Aufl., S. 503 f.).
bb)
Im vorliegenden Fall fhrt die Beseitigung des Schwammbefalls nach den Feststellungen des Berufungsgerichts dazu, dass auch Sanierungsarbeiten durchgefhrt werden, welche ohnehin geplant waren. Die dadurch ersparten eigenen Aufwendungen muss sich die Klgerin von den Mngelbeseitigungskosten, welche den gesamten zur Mngelbeseitigung erforderlichen Betrag umfassen, abziehen lassen. Der Vorteilsausgleich beruht auf dem Gedanken von Treu und Glauben (§ 242 BGB) und erfordert eine wertende Betrachtung (BGH, Versumnisurteil vom 1. August 2013 – VII ZR 75/11, NJW 2013, 3297, Rn. 22, BGH, Urteil vom 28. Juni 2007 – VII ZR 81/06, BGHZ 173, 83 Rn. 18 mwN). Fr die Klgerin wre es ein unverdienter Vorteil, wenn sie die ohnehin vorgesehenen Sanierungsarbeiten teilweise auf Kosten der Beklagten durchfhren knnte.

cc)
Die Darlegungs- und Beweislast fr ersparte Aufwendungen der Kufer, welche nach dem Vorgesagten anspruchsmindernd zu bercksichtigen sind, tragen die Beklagten (vgl. Senat, Urteil vom 17. Oktober 2003 - V ZR 84/02, NJW-RR 2004, 79, 81). Die Klgerin trifft jedoch eine sekundre Darlegungslast, da die Beklagten außerhalb des von ihnen darzulegenden Geschehensablaufs stehen und der Klgerin nhere Angaben zumutbar sind (vgl. BGH, Urteil vom 28. Juni 2011 - KZR 75/10, NJW 2012, 928 Rn. 71; BGH, Urteil vom 31. Mai 2010 - II ZR 30/09, NJW 2010, 2506 Rn. 26). Die Klgerin ist deswegen gehalten, die fr die Berechnung des Vorteilsausgleichs durch die Beklagten erforderlichen Tatsachen vorzutragen (vgl. BGH, Urteil vom 31. Mai 2010 - II ZR 30/09, NJW 2010, 2506 Rn. 26).
4
. Das Berufungsgericht lehnt auch einen Abzug „neu fr alt“ mit rechtsfehlerhafter Begrndung ab. Ein solcher kommt in Betracht, soweit die Kosten der Schwammbeseitigung nach dem Vorstehenden ersatzfhig sind, also nicht fr Maßnahmen anfallen, welche von den Kufern im Rahmen einer ohnehin vorgesehenen Sanierung durchgefhrt werden sollten, und zu einer Wertsteigerung des Grundstcks fhren. Das Berufungsgericht verkennt bei seinem Hinweis auf das Teilurteil vom 28. Juni 2007 und ein dort in Bezug genommenes Sachverstndigengutachten, wonach durch die Schwammsanierungsarbeiten am Dach keine Werterhhung eintrete, den Kern des Vorbringens der Beklagten. Nach den Feststellungen des Berufungsgerichts ist der Schwammbefall gerade nicht auf das Dachgeblk beschrnkt, sondern hat sich vom Dach ber alle Etagen bis in den Keller ausgebreitet. Unter anderem mssen zur Schwammbeseitigung auch Kchen und Bder zerstrt und wieder aufgebaut sowie Elektro-, Klempner- und Fliesenarbeiten durchgefhrt werden. Dass es dadurch zu einer Wertsteigerung kommen kann, liegt auf der Hand und kann mit der Argumentation des Berufungsgerichts, welche sich nur auf das Dachgeblk bezieht, nicht in Abrede gestellt werden.

5. Das Berufungsgericht verneint schließlich auch die
Unverhltnismßigkeit der als Schadensersatz begehrten weiteren Mngelbeseitigungskosten mit rechtsfehlerhafter Begrndung.
a) Allerdings geht es stillschweigend zutreffend davon aus, dass die Beklagten sich mit diesem Einwand gegen die Klageforderung trotz des gegen sie ergangenen Feststellungsurteils vom 28. Juni 2007 verteidigen k
nnen.
aa) Zwar f
hrt die Rechtskraft eines Feststellungsurteils, in dem die Schadensersatzpflicht einer Partei festgestellt worden ist, dazu, dass Einwendungen, die sich auf Tatsachen sttzen, welche schon im Zeitpunkt der letzten mndlichen Verhandlung vorgelegen haben, nicht mehr bercksichtigt werden drfen, soweit sie das Bestehen des festgestellten Anspruchs betreffen (BGH, Urteil vom 28. Juni 2005 - VI ZR 108/04, NJW-RR 2005, 1517 f. mwN). Das gilt aber nur, soweit es um die grundstzliche Verpflichtung des Schuldners zum Ersatz des Schadens geht; die Frage, ob und in welcher Hhe ein Schaden eingetreten ist, wird von der Rechtskraft eines vorausgegangenen Feststellungsurteils nicht erfasst (vgl. BGH, Urteil vom 28. Juni 2005 - VI ZR 108/04, aaO; Urteil vom 19. Mai 1988 - VII ZR 11/87, WM 1988, 1280).
bb) Auch unter anderen Gesichtspunkten steht die Rechtskraft des Feststellungsurteils der Geltendmachung der Haftungsbegrenzung nicht entgegen. Die hier in Betracht kommende Begrenzung ist nicht untrennbar mit dem Haftungsgrund verwoben (vgl. dazu BGH, Urteil vom 23. Januar 1979 - VI ZR 199/77, NJW 1979, 1046, 1047). Ferner kann dem Feststellungsurteil weder in Bezug auf die Art der Schadensberechnung noch in Bezug auf die Frage einer Begrenzung der Schadensersatzpflicht hinsichtlich der nunmehr geltend gemachten Schadenspositionen eine Bindungswirkung entnommen werden.
Die Bindungswirkung des Feststellungsurteils ergibt sich aus dem Umfang der Rechtskraft. Diese reicht gem
ß § 322 Abs. 1 ZPO so weit, wie ber
den Feststellungsantrag entschieden worden ist. Der Inhalt des Urteils und damit der Umfang der Rechtskraft sind in erster Linie der Urteilsformel zu entnehmen. Nur wenn die Urteilsformel allein nicht ausreicht, um den Rechtskraftgehalt der Entscheidung zu erfassen, sind Tatbestand und Entscheidungsgr
nde, erforderlichenfalls auch das Parteivorbringen, ergnzend heranzuziehen (BGH, Urteil vom 14. Februar 2008 - I ZR 135/05, NJW 2008, 2716 Rn. 13 mwN).
Nach dem Tenor des Feststellungsurteils sind die Beklagten verpflichtet, der Kl
gerin die weiteren Schden zu ersetzen, welche darauf zurckzufhren sind, dass das Objekt mit echtem Hausschwamm befallen ist und deshalb Sanierungsarbeiten durchgefhrt werden mssen. Die Urteilsformel ist mit dieser Formulierung allgemein gehalten und bietet keinen Anhaltspunkt dafr, dass eine bestimmte Art der Schadensberechnung Bestandteil des Ausspruchs sein sollte. Dies gilt auch unter Einbeziehung des in der Entscheidungsformel ver- wandten Begriffs der Sanierungsarbeiten. Hiermit wird lediglich die Einstandspflicht der Beklagten fr bestimmte weitere Schden festgestellt, jedoch nicht ausgesprochen, dass sie auch smtliche weiteren Mngelbeseitigungskosten zu tragen haben. Auch den Entscheidungsgrnden kann nicht entnommen werden, dass sich das Gericht mit einer hhenmßigen Begrenzung des Schadensersatzanspruchs der Kufer befasst hat und diese Frage entschieden werden sollte.
b) Das Berufungsgericht geht weiterhin im Ansatz zutreffend davon aus, dass die zur M
ngelbeseitigung erforderlichen Kosten im Rahmen des sogenannten kleinen Schadensersatzes nach § 437 Nr. 3, § 280 Abs. 1, § 281 Abs. 1 Satz 1 BGB als Schaden geltend gemacht werden knnen.
aa) Nach dem B
rgerlichen Gesetzbuch in der bis zum 31. Dezember 2001 geltenden Fassung richtete sich der Anspruch des Kufers, der den kleinen Schadensersatz whlte, auf Ausgleich des Wertunterschieds zwischen der mangelfreien und der mangelhaften Sache (§ 463 BGB alter Fassung). Der Kufer hatte keinen Anspruch auf Beseitigung des Mangels und somit auch keinen unmittelbar auf Ersatz der Mngelbeseitigungskosten gerichteten Schadensersatzanspruch. Zwar konnte er regelmßig die Hhe des zu ersetzenden Minderwerts auf Grundlage der Mngelbeseitigungskosten ermitteln. Hierbei handelte es sich jedoch lediglich um eine Berechnungsmethode. Blieb die mangelbedingte Wertminderung der Sache deutlich hinter den Kosten fr die Herstellung der zugesicherten Eigenschaft zurck und war diese Abweichung nicht nur mit einem fehlenden Abzug „neu fr alt“ bei den Herstellungskosten zu erklren, konnte der Kufer nur Ersatz des Minderwerts der Sache verlangen (Senat, Urteil vom 16. November 2007 - V ZR 45/07, NJW 2008, 436, 437; Beschluss vom 10. Juni 1998 - V ZR 324/97, NJW 1998, 2905; Urteil vom 23. Juni 1989 - V ZR 40/88, BGHZ 108, 156, 160 f.).
bb) Nach § 437 Nr. 1, § 439 Abs. 1 BGB in der nunmehr geltenden Fassung hat der K
ufer bei Vorliegen eines Mangels hingegen einen Anspruch auf Nacherfllung (Senat, Urteil vom 15. Juni 2012 - V ZR 198/11, BGHZ 193, 326 Rn. 32), welche nach seiner Wahl in Form der Beseitigung des Mangels oder der Lieferung einer mangelfreien Sache erfolgen kann. Unterbleibt die Nacherfllung und steht dem Kufer ein Schadensersatzanspruch zu, so kann er im Rahmen des kleinen Schadensersatzes Ausgleich des mangelbedingten Minderwerts oder Ersatz der Mngelbeseitigungskosten verlangen (vgl. Senat, Urteil vom 15. Juni 2012 - V ZR 198/11, BGHZ 193, 326 Rn. 31; zum Werkvertragsrecht BGH, Urteil vom 11. Oktober 2012 - VII ZR 179/11, NJW 2013, 370 Rn. 10 mwN).
c) Wie es sich auf den Schadensersatzanspruch auswirkt, wenn die zur M
ngelbeseitigung erforderlichen Kosten unverhltnismßig sind, ist hchst- richterlich bislang nur fr das Werkvertragsrecht (§ 635 Abs. 3 BGB) entschieden (BGH, Urteil vom 11.Oktober 2012 -VIIZR 179/11, NJW2013, 370 Rn. 12). Richtigerweise fhrt dies auch bei einem Kaufvertrag, der - wie der hier zu beurteilende Vertrag - nicht von der Verbrauchsgterkaufrichtlinie erfasst wird, dazu, dass der Schadensersatzanspruch auf den mangelbedingten Minderwert der Sache beschrnkt ist.
aa) Auszugehen ist davon, dass ein Anspruch des K
ufers auf Schadensersatz wegen Mngel der Kaufsache auch dann gegeben ist, wenn der Verkufer zu Recht nach § 439 Abs. 3 BGB einwendet, sie nicht beseitigen zu mssen, weil dies nur mit unverhltnismßigen Kosten mglich ist. Der Gesetzgeber wollte auch fr diesen Fall einen Schadensersatzanspruch statt der Leistung unter den Voraussetzungen von § 280 Abs. 1, § 281 BGB erffnen. Das ergibt sich aus § 440 BGB, wonach es zur Entstehung des Schadensersatzanspruchs grundstzlich einer Fristsetzung nicht bedarf, wenn der Kufer die Nacherfllung gemß § 439 Abs. 3 BGB verweigert (BT-Drucks. 14/4060, S. 232; vgl. zum Werkvertragsrecht: BGH, Urteil vom 11. Oktober 2012 - VII ZR 179/11, NJW 2013, 370 Rn. 8).
bb)
Der Schadensersatzanspruch ist aber in entsprechender Anwendung des § 251 Abs. 2 Satz 1 BGB auf den Ersatz des mangelbedingten Minderwerts der Kaufsache beschrnkt. Grund ist der mit § 439 Abs. 3 BGB beabsichtigte Schutz des Verkufers (siehe BT-Drucks. 14/6040, S. 232). Der Verkufer, der die Mngelbeseitigung wegen unverhltnismßiger Kosten verweigern darf, kann nicht im Wege des Schadensersatzes verpflichtet sein, diese Kosten zu tragen. Der Umstand, dass der Schadensersatzanspruch anders als der Nacherfllungsanspruch ein Vertretenmssen des Verkufers voraussetzt, fhrt zu keiner anderen Beurteilung. Im Werkvertragsrecht entspricht es stndiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, dass bei der Beurteilung der Unverhltnismßigkeit nach § 635 Abs. 3 BGB das Verschulden des Unternehmers zu bercksichtigen ist (BGH, Urteil vom 11. Oktober 2012 - VII ZR 179/11, NJW 2013, 370 Rn. 12 mwN). Fr das Kaufrecht gilt nichts anderes. Hat der Verkufer den Mangel zu vertreten, so ist dies in die nach § 439 Abs. 3 BGB vorzu- nehmende Abwgung einzustellen.
cc) Eine Beschr
nkung des Schadensersatzes auf eine Erstattung der Mngelbeseitigungskosten in Hhe eines angemessenen Betrages kommt nicht in Betracht. Der VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat dies zwar fr die Flle des Verbrauchsgterkaufs im Wege der Rechtsfortbildung zur Herstellung eines richtlinienkonformen Ergebnisses angenommen (BGH, Urteil vom 21. Dezember 2011 - VIII ZR 70/08, BGHZ 192, 148 Rn. 35, 54). Die Voraussetzungen fr eine derartige Beschrnkung der Ersatzpflicht sind im vorliegenden Zusammenhang jedoch nicht gegeben. Bei dem hier in Rede stehenden Vertrag handelt es sich weder um einen Verbrauchsgterkauf noch ist eine Regelungslcke gegeben. Kann der Verkufer die Nachbesserung nach § 439 Abs. 3 BGB verweigern, ist es folgerichtig, ihn schadensersatzrechtlich nicht fr einen Teil der Mngelbeseitigungskosten einstehen zu lassen, sondern den Schadensersatz auf die Hhe der Differenz des Wertes der Kaufsache in mangelfreiem und in mangelhaftem Zustand zu beschrnken (zum Werkvertragsrecht BGH, Urteil vom 11. Oktober 2012 - VII ZR 179/11, NJW 2013, 370 Rn. 12; vgl. auch Urteil vom 27. November 2009 - LwZR 11/09, NZM 2010, 442 Rn. 11 f.).
d) Das Berufungsgericht geht rechtsfehlerhaft davon aus, dass M
ngelbeseitigungskosten erst dann als unverhltnismßig anzusehen sind, wenn sie 130% des Verkehrswerts des mangelfreien Grundstcks bersteigen.

aa) Die f
r die Beurteilung der Unverhltnismßigkeit im Sinne des § 251 Abs. 2 Satz 1 BGB maßgebenden Kriterien entsprechen jenen, die bei der nach § 439 Abs. 3 BGB gebotenen Prfung des unverhltnismßigen Nacherfllungsaufwands heranzuziehen sind (vgl. zu § 635 Abs. 3 BGB: BGH, Urteil vom 11. Oktober 2012 – VII ZR 179/11, NJW 2013, 370 Rn. 12). Voraussetzung fr die von dem Verkufer nach § 439 Abs. 3 Satz 3 BGB zu erhebende Einrede ist, dass die Mngelbeseitigung nur mit unverhltnismßigen Kosten mglich ist. Dies kann sich aus dem Vergleich zur Nachlieferung als zweite Nacherfllungsmglichkeit ergeben (relative Unverhltnismßigkeit) oder daraus, dass die Mngelbeseitigung fr sich allein betrachtet unverhltnismßige Kosten verursacht (absolute Unverhltnismßigkeit). Da die Nachlieferung im vorliegenden Fall nicht mglich ist, kommt nur eine absolute Unverhltnismßigkeit der Mngelbeseitigung in Betracht, welche hier dazu fhren wrde, dass der Verkufer die Nacherfllung insgesamt verweigern knnte (vgl. § 439 Abs. 3 Satz 3 Halbsatz 2 BGB). § 439 Abs. 3 Satz 2 BGB hebt als bei der Prfung der Unverhltnismßigkeit zu bercksichtigende Umstnde den Wert der Sache in mangelfreiem Zustand und die Bedeutung des Mangels hervor. Unerheblich ist danach der Kaufpreis, so dass ein von dem Kufer erzielter gnstiger Kaufpreis nicht dazu fhrt, dass die Grenze der Unverhltnismßigkeit der Nacherfllungskosten frher erreicht wird, als dies bei einem hheren, dem Wert der Sache in mangelfreiem Zustand entsprechenden Kaufpreis der Fall wre (OLG Karlsruhe, NJW-RR 2009, 777, 779; OLG Braunschweig, NJW 2003, 1053, 1054; Ball, NZV 2004, 217, 223).
bb) Verschiedentlich wird f
r die Feststellung der Unverhltnismßigkeit an den Wert der Kaufsache in mangelfreiem Zustand angeknpft und hiervon ausgehend der Versuch unternommen, Grenzwerte zu bilden. So werden etwa 150% des Wertes der Sache in mangelfreiem Zustand und 200% des auf den Mangel zurckzufhrenden Minderwerts genannt (Bitter/Meidt, ZIP 2001, 2114, 2121 f.); wird einer dieser Grenzwerte berschritten, so soll der Verkufer, der den Mangel nicht zu vertreten hat, die Nacherfllung verweigern drfen. Andere wollen die absolute Grenze der Unverhltnismßigkeit bei 100% des Wertes der mangelfreien Sache ansetzen und diese je nach dem Grad des Vertretenmssens erhhen. In Betracht gezogen wird dabei eine Grenze von 130% bis 150% (vgl. Reinking, ZfS 2003, 57, 62; Huber, NJW 2002, 1004, 1008; Tiedtke/ Schmitt, DStR 2004, 2060, 2064). Teilweise wird die Grenze beim mangelbedingten Minderwert gezogen und diese bei Verschulden des Verkufers erhht (Schultz, Zu den Kosten der Nacherfllung beim Kauf, 2005, 182 ff.). Beim Stckkauf wird aus der Beschrnkung der Leistungspflicht des Verkufers in § 275 Abs. 2 BGB hergeleitet, dass der Verkufer die Nacherfllung verweigern kann, wenn deren Kosten den Minderungsbetrag bersteigen (Ackermann, JZ 2002, 378, 382 ff.). Ist der Kufer wahlweise zur Geltendmachung des großen Schadensersatzes berechtigt, wird vertreten, dass die den Aufwand fr eine Ersatzbeschaffung bersteigenden Mngelbeseitigungskosten nur liquidiert werden knnten, wenn ein besonderes Interesse an der Herstellung der Mangelfreiheit gerade an dem einmal geleisteten Objekt bestehe (MnchKomm- BGB/Ernst, 6. Aufl., § 281 Rn. 130; hnlich Erman/Westermann, BGB, 13. Aufl., § 281 Rn. 30; NK-BGB/Dauner-Lieb, 2. Aufl., § 281 Rn. 30). Zum Teil wird die Festlegung von Grenzwerten abgelehnt und jeweils auf die Gesamtumstnde des Einzelfalls verwiesen (Graf von Westphalen in Henssler/Graf von Westphalen, Praxis der Schuldrechtsreform, 2. Aufl., §439 Rn. 27; Haas in Haas/Medicus/Rolland/Schfer/Wendtland, Das neue Schuldrecht, 2002, Kapitel 5 Rn. 158; Jakobs in Dauner-Lieb/Konzen/Schmidt, Das neue Schuldrecht, 2002, S. 384, 386).
cc) Letztere Ansicht entspricht im Ausgangspunkt der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs. Bei der Pr
fung, ob eine absolute Unverhltnismßigkeit der Nacherfllung vorliegt, ist eine Bewertung aller Umstnde des Einzelfalls erforderlich. Starre Grenzwerte knnen diese umfassende Interessenabwgung nicht ersetzen. Allerdings bieten Grenzwerte in Form einer Faustregel einen ersten Anhaltspunkt und dienen damit der Rechtssicherheit (vgl. BGH, Beschluss vom 14. Januar 2009 – VIII ZR 70/08, NJW 2009, 1660 Rn. 15). Bei Grundstckskaufvertrgen kann als erster Anhaltspunkt davon ausgegangen werden, dass ein Anspruch auf Nacherfllung wegen unverhltnismßiger Kosten dann verweigert werden kann, wenn sie entweder den Verkehrswert des Grundstcks in mangelfreiem Zustand oder 200% des mangelbedingten Minderwerts bersteigen.
(1) Ausgangspunkt ist § 439 Abs. 3 Satz 2 BGB, der f
r die Prfung der Unverhltnismßigkeit den Wert der Sache in mangelfreiem Zustand und die Bedeutung des Mangels hervorhebt (BGH, Beschluss vom 14. Januar 2009 - VIII ZR 70/08, NJW 2009, 1660 Rn. 15).
(a)
Die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, wonach die Kosten einer Kraftfahrzeugreparatur bis zu 130% des Wiederbeschaffungswertes ersatzfhig sind, ist auf den vorliegenden Regelungszusammenhang nicht zu bertragen. Sie beruht im Wesentlichen auf der Anerkennung eines besonderen Integrittsinteresses des geschdigten Eigentmers eines Kraftfahrzeuges, das nur durch die Reparatur des ihm vertrauten Fahrzeuges befriedigt werden kann (BGH, Urteil vom 15. Oktober 1991 - VI ZR 314/90, BGHZ 115, 364, 371; Urteil vom 15. Februar 2005 - VI ZR 70/04, NJW 2005, 1108, 1109). Demgegenber ist im Rahmen der unmittelbaren Anwendung des § 251 Abs. 2 Satz 1 BGB in der Rechtsprechung anerkannt, dass bei Gebudeschden (BGH, Urteil vom 8. Dezember 1987 - VI ZR 53/87, BGHZ 102, 322, 326; vgl. auch Urteil vom 5. April 1990 - III ZR 213/88, NJW-RR 1990, 1303, 1305; OLG Dsseldorf, MDR 2012, 85; OLG Bamberg, ZfS 2011, 445, 446; OLG Frankfurt am Main, OLGR 2006, 16, 17; OLG Hamm, OLGR 1998, 358, 361), Bodenkontaminationen (BGH, Urteil vom 27. November 2009 - LwZR 11/09, NZM 2010, 442 Rn. 16) oder der Beschdigung von Bumen und Gehlzen (Senat, Urteil vom 25. Januar 2013 - V ZR 222/12, BGHZ 196, 111 Rn. 5 mwN) aufgrund der das Schadensrecht beherrschenden wirtschaftlichen Betrachtungsweise auf die Gesamtbewertung von Gebude und Grundstck als sich wechselseitig beeinflussende Wertfaktoren abzustellen ist. In diesen Fllen wird regelmßig der Verkehrswert des Grundstcks als Grenze angesehen, bis zu der Schadensersatz verlangt werden kann. Auch wenn sich die Rechtsprechung zu Beschdigungen eines Grundstcks auf einen Schadensersatzanspruch wegen Lieferung einer mangelhaften Immobilie grundstzlich nicht bertragen lsst (vgl. Senat, Urteil vom 13. Juni 2012 - V ZR 198/11, BGHZ 193, 326 Rn. 31), ist ein solcher Rckgriff im Rahmen der entsprechenden Anwendung des § 251 Abs. 2 Satz 1 BGB ausnahmsweise zulssig und auch geboten. bersteigen die notwendigen Aufwendungen zur Mngelbeseitigung den Verkehrswert des Grundstcks in mangelfreiem Zustand, stehen sie grundstzlich in keinem wirtschaftlich vernnftigen Verhltnis mehr zu dem dadurch herbeigefhrten Erfolg. In einem solchen Fall widersprche es Treu und Glauben (§ 242 BGB), dessen besondere Ausprgungen § 251 Abs. 2 Satz 1, § 439 Abs. 3 BGB darstellen, wenn der Kufer diese Aufwendungen dem Verkufer in Form der Mngelbeseitigung anlasten knnte (vgl. zum Schadensersatzrecht: BGH, Urteil vom 27. November 2009 - LwZR 11/09, NZM 2010, 442 Rn. 21; Urteil vom 23. Mai 2006 - VI ZR 259/04, NJW 2006, 2399, 2401; Urteil vom 26. November 1975 - VII ZR 31/74, NJW 1976, 235, 236).
(b) Der Verkehrswert des Grundst
cks in mangelfreiem Zustand bietet jedoch nicht stets einen geeigneten Anhaltspunkt. Liegen Mngel vor, die sich beispielsweise nur auf das Gebude, nicht aber auf Grund und Boden auswirken oder die nur einen Teil des Gebudes betreffen, stellt der Wert des mangelfreien Grundstcks unter Umstnden kein ausreichendes Kriterium zur Begrenzung der Mngelbeseitigungskosten unter dem Gesichtspunkt der Unverhltnismßigkeit dar. Da § 439 Abs. 3 Satz 2 BGB auf die Bedeutung des Mangels abstellt und diese sich in dem mangelbedingten Minderwert des Grundstcks niederschlgt, bildet auch dieser Wert einen geeigneten Anhaltspunkt fr eine Eingrenzung. Mngelbeseitigungskosten, die mehr als 200% des mangelbedingten Minderwerts betragen, werden in der Regel nicht mehr als verhltnismßig anzusehen sein (vgl. BGH, Beschluss vom 14. Januar 2009 - VIII ZR 70/08, NJW 2009, 1660 Rn. 15 f.).
(2) Allerdings geben die genannten Werte nur einen ersten Anhaltspunkt f
r die Annahme einer Unverhltnismßigkeit der Nacherfllung. Maßgeblich bleibt eine umfassende Wrdigung der Umstnde des Einzelfalls. Bei dieser ist insbesondere zu bercksichtigen, inwieweit der Verkufer den Mangel zu vertreten hat. In der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist anerkannt, dass bei vorstzlichen Pflichtverletzungen (BGH, Urteil vom 23. Mai 2006 - VI ZR 259/04, NZM 2010, 442 Rn. 24; Senat, Urteil vom 2. Oktober 1987 - V ZR 140/86, NJW 1988, 699, 700; Urteil vom 21. Juni 1974 - V ZR 164/72, BGHZ 62, 388, 394) oder sonstigem schweren Verschulden (Senat, Urteil vom 24. Ap- ril 1970 - V ZR 97/67, NJW 1970, 1180, 1181; BGH, Urteil vom 26. Oktober 1972 - VII ZR 181/71, BGHZ 59, 365, 368) dem Schuldner auch sonst unverhltnismßige Aufwendungen zuzumuten sind. Wie weit dies im Einzelfall gehen kann, bedarf ebenso wenig der Entscheidung wie die Frage, ob ein besonderes Interesse des Kufers an der Nacherfllung zu bercksichtigen ist. Die Beklagten haften vorliegend nicht wegen des arglistigen Verschweigens eines Mangels; auch ist ein besonderes Interesse der Klgerin an einer Nacherfllung weder festgestellt noch geltend gemacht worden.
dd) Ausgehend von den bisherigen Feststellungen des Berufungsgerichts, wonach das Gesamtobjekt im Zustand des Befalls mit echtem Hausschwamm einen Zeitwert von 507.202 € hat und der Zeitwert des Gesamtobjekts ohne Hausschwammbefall bei (mindestens) 600.000 € liegt, kommt ernsthaft in Betracht, dass die M
ngelbeseitigungskosten den mangelbedingten Minderwert von mehr als 200% bersteigen und damit unverhltnismßig sind.

III.
Da der Rechtsstreit nicht zur Endentscheidung reif ist, muss das Berufungsurteil aufgehoben (§ 562 Abs. 1 ZPO) und die Sache zur neuen Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zur
ckverwiesen werden (§ 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Das Berufungsgericht wird nach Feststellung der grundstzlich ersatzfhigen Mngelbeseitigungskosten zu prfen haben, ob diese unverhltnismßig sind, so dass der Schadensersatzanspruch auf den mangelbedingten Minderwert begrenzt ist. Dabei ist jedoch zu beachten, dass der Schadensersatzpflichtige im Rahmen des § 251 Abs. 2 Satz 1 BGB das Prognoserisiko zu tragen hat (Palandt/Grneberg, BGB, 73. Aufl., § 251 Rn. 9; Bamberger/Roth/Schubert, BGB, 3. Aufl., § 251 Rn. 12; vgl. auch BGH, Urteil vom 15. Oktober 1991 - VI ZR 314/90, BGHZ 115, 364, 370). Fr die Beurteilung der Unverhltnismßigkeit der Kosten kommt es auf den Beginn der Mngelbeseitigung durch den Kufer an. Stellt sich whrend deren Ausfhrung heraus, dass die Kosten hher als erwartet sind, steht dies einer Ersatzpflicht des Verkufers fr die gesamten Mngelbeseitigungskosten nur entgegen, wenn ein wirtschaftlich denkender Kufer die Arbeiten auch unter Bercksichtigung der bereits angefallenen Kosten nicht fortfhren wrde bzw. fortgefhrt htte.

Vorinstanzen: LG Berlin, Entscheidung vom 15.03.2011 - 5 O 464/09 - KG, Entscheidung vom 22.10.2012 - 20 U 92/12 -

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